Diese Behauptung hat kürzlich ein aufmerksamer Blogleser als Kommentar hinterlassen und ich frage mich, ob dieser aufmerksame Blogleser eventuell Recht haben könnte. Schließlich begleitet mich die Gastronomie schon seit über 20 Jahren.
Damals -mit 16- kellnerte ich während meiner Schulzeit, um mir ein paar Mark Taschengeld zu verdienen, in der MOTT, einer Art Jugendkneipe bei mir um die Ecke. Aus dem "nebenbei" wurde allerdings ganz schnell Leidenschaft, so dass das Gymnasium zeitweise darunter zum Teil in Mitleidenschaft gezogen wurde, mir das allerdings nicht viel ausmachte.
Während meiner Ausbildung in Saarbrücken entdeckte ich schließlich so nach und nach die Szene, die damals noch etwas Verruchtes und Geheimnisvolles hatte und sehr spannend war. Meine erste Anlaufstelle war die Mademoiselle in Saarbrücken, wo ich ganz schnell Kontakte knüpfte und es auch gar nicht lange dauerte, bis ich auch dort nebenbei zu kellnern anfing. Anders als in der MOTT betrachtete ich die Arbeit dort allerdings mehr als Kontakthof als als Nebeneinkommen. Unglaublich, wie schnell man Leute kennen lernt, wenn man plötzlich hinter der Theke steht...
Als ich dann 1994 nach Köln zog, weil es mir im Saarland zu langweilig wurde, begann ich zwar ganz brav, meinem erlernten kaufmännischen Beruf nachzugehen, doch auch hier dauerte es nicht lange, bis ich mein Stammlokal gefunden hatte und kurz darauf dort zu kellnern anfing. Köln war einfach einfach nur geil! Innerhalb kürzester Zeit lernte ich eine Menge neuer Leute kennen - schließlich war ich damals "Frischfleisch". Der Zufall wollte es, dass der damalige Inhaber des Ladens, wo ich jobbte, keinen Bock mehr hatte, auswandern wollte oder was auch immer - für mich DIE Gelegenheit, mir einen Traum zu erfüllen und mich selbständig zu machen. Auch das dauerte nicht lange, das Glück war mit mir, und ich konnte den Laden übernehmen. Ich hatte meine eigene kleine Kneipe! Fast 7 Jahre lang dauerte dieses Glück, 7 Jahre, in denen ich mein Herzblut, meine Kraft, meine Energie, einfach alles in mein Baby steckte, bevor der Traum irgendwann auf tragische Art und Weise zu Ende ging. Das Schicksal trieb mich nach Bonn, da ich von der Domstadt erst einmal die Schnauze voll hatte - von der Domstadt, aber nicht von der Gastronomie. So fing ich auch dort an, nachdem ich hauptberuflich gezwungenermaßen neue Wege einschlagen musste, nebenbei zu kellnern - im Le Copain. Der Laden erinnerte zwar zeitweise an die Geriatrie im städtischen Krankenhaus, doch irgendwie war's auch mal was anderes, sich um ältere Herrschaften kümmern zu dürfen.
Es lag eher an Bonn an sich und meiner damaligen menschenunwürdigen Wohnsituation als am Copain, dass ich es nicht mehr aushielt und wieder back to the roots an die Saar zog. Das ist nun anderthalb Jahre her, ich fühle mich auch (wieder) richtig wohl auf dem Lande, doch etwas fehlt mir: die Gastronomie. Zwar spiele ich seit längerem wieder mit dem Gedanken, wie schön es doch wäre, ein zweites kleines gastronomisches Baby groß zu ziehen, doch dies ist alleine schon aus finanziellen Gründen momentan noch nicht möglich. Stattdessen nehme ich den Kommentar von dem aufmerksamen Blogleser mal etwas ernster und versuche, die Gastronomie wieder hauptberuflich zu meinem Ding zu machen. Der erste Schritt ist getan und ich habe mich heute zum ersten Mal ganz offiziell auf die Stellenanzeige eines Brauhauses beworben.